Thüringer Landesamt für Statistik - Pressemitteilung


Erfurt, 27. September 2010 - Nr. 296

20 Jahre Deutsche Einheit
Zahlen, Daten und Fakten aus den 16 Bundesländern

Die Statistischen Ämter der Länder haben zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 2010 die Entwicklungen in den 16 deutschen Ländern anhand statistischer Daten und Fakten unter die Lupe genommen.
Entstanden ist die Gemeinschaftsveröffentlichung „Von Bevölkerung bis Wahlen – 20 Jahre Deutsche Einheit in der Statistik“ mit Daten, übersichtlichen Grafiken, anschaulichen Karten und kurzen Texten.
Im Fokus dieser Publikation steht nicht die Frage, was Ost und West unterscheidet, sondern wie sich die Lebensverhältnisse im wiedervereinigten Deutschland entwickelt haben.

Bevölkerungsverluste nicht nur in den neuen Bundesländern
Hohe Abwanderung und kräftige Geburtenrückgänge führten vor allem in den 90er-Jahren in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen zu einer deutlichen Verringerung der Einwohnerzahlen. In diesen Ländern ist die Bevölkerungszahl heute zwischen 10 und 16 Prozent kleiner als vor 20 Jahren. Speziell in Thüringen betrug im Jahr 2008 der Bevölkerungsrückgang 11,8 Prozent des Standes von 1991. Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein profitierten Anfang der 90er-Jahre am stärksten von Zuwanderungen. Aber nicht alle alten Länder verzeichneten steigende Einwohnerzahlen: In Bremen und im Saarland sanken die Bevölkerungszahlen seit der Wiedervereinigung.

In allen Bundesländern immer mehr alte Menschen
In allen Bundesländern ist die demografische Alterung spürbar. In den neuen Ländern ist dieser Effekt jedoch stärker. Zu Beginn der 90er-Jahre war der Anteil der jungen Menschen dort vergleichsweise hoch, in der Folgezeit sind aber besonders viele junge Menschen aus den neuen Ländern abgewandert. In Thüringen sank der Anteil junger Menschen unter 20 Jahren von knapp 25 Prozent im Jahr 1991 auf nur noch 15 Prozent im Jahr 2008. Zugleich erhöhte sich der Anteil der Älteren ab 65 Jahren von 14 auf über 22 Prozent.
Auch der kräftige Einbruch der Geburtenrate als Folge der enormen sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche nach der Wende hat zur stärkeren Alterung der Gesellschaft in den neuen Ländern beigetragen. Mittlerweile haben die neuen Länder aber wieder aufgeholt: Hinsichtlich der Geburtenrate ist 20 Jahre nach der Wiedervereinigung kein Unterschied mehr zwischen den alten und den neuen Bundesländern festzustellen.
Eine deutliche Ost-West-Teilung zeigt sich jedoch beim Anteil der Kinder, die nicht ehelich geboren werden. In den neuen Ländern werden schon seit dem Jahr 2000 mehr Kinder außerhalb einer Ehe geboren als innerhalb, in Thüringen sind es mittlerweile fast zwei Drittel. In den alten Bundesländern liegt dieser Anteil bei lediglich etwa einem Viertel.

Hohes Wirtschaftswachstum in den neuen Ländern
Zwischen 1991 und 2009 stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im wiedervereinigten Deutschland um 23 Prozent. Aufgrund des geringen Ausgangsniveaus und des Aufholprozesses waren die Wachstumsraten in den neuen Ländern in den 90er-Jahren besonders hoch. In den neuen Bundesländern legte der Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen mit 77 Prozent deutlich stärker zu als in den alten Ländern (plus 19 Prozent; jeweils ohne Berlin). Das stärkste Wachstum verzeichnete in dieser Zeit Thüringen; hier hat sich das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nahezu verdoppelt. Insgesamt hat sich der Anteil der neuen Länder am deutschen Bruttoinlandsprodukt im Betrachtungszeitraum von sieben auf knapp zwölf Prozent erhöht.

Deutlicher Rückgang der Zahl der Arbeitsplätze in den neuen Ländern
In Deutschland gab es im Jahr 2009 insgesamt knapp 40,3 Millionen Erwerbstätige, das waren 1,64 Millionen bzw. 4,3 Prozent mehr als 1991. Die Entwicklung in den Ländern verlief jedoch sehr unterschiedlich. Während Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern mit jeweils etwa 11 Prozent deutliche Zuwächse verzeichnen konnten, sank die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt (minus 21 Prozent) und Thüringen (minus 17 Prozent) deutlich. Zusammengefasst verloren die neuen Bundesländer als Folge des enormen Strukturumbruchs seit 1991 etwa 1 Million Arbeitsplätze, in den alten Ländern (jeweils ohne Berlin) kamen bis 2009 dagegen knapp 2,7 Millionen Arbeitsplätze hinzu. Heute befinden sich – bei einem Bevölkerungsanteil von 16,5 Prozent – 14 Prozent aller Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern.

Arbeitslosenquote in allen Ländern gesunken
Im Jahr 2009 lag die Arbeitslosenquote, also die Zahl der Arbeitslosen bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, in Deutschland bei 8,2 Prozent. Am niedrigsten war sie in Bayern (4,8 Prozent) und in Baden-Württemberg (5,1 Prozent), am höchsten in der Bundeshauptstadt Berlin (14,1 Prozent) sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (jeweils 13,6 Prozent); in Thüringen betrug die Arbeitslosenquote 11,4 Prozent. Im Vergleich zu 1997 sind die Arbeitslosenquoten heute in allen Bundesländern deutlich niedriger. Bundesweit lag die Quote 2009 um 3,2 Prozentpunkte unter der von 1997. Am stärksten war der Rückgang in Sachsen-Anhalt (6,7 Prozentpunkte), gefolgt von Thüringen (Rückgang um 6,4 Prozentpunkte).

Verfügbares Einkommen: Abstand zwischen Ost und West hat sich deutlich verringert
Seit 1991 ist das verfügbare Einkommen in den neuen Ländern wesentlich stärker gestiegen als in den alten Ländern. Dadurch haben sich die extremen Unterschiede, die es kurz nach der Wiedervereinigung noch gab, deutlich verringert. Im Jahr 1991 lag das Einkommen, das die Menschen für Konsum- und Sparzwecke zur Verfügung haben, in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch um über 40 Prozent unter dem damaligen Durchschnittswert der 16 Länder (12 509 Euro je Einwohner); bis 2008 ist der Abstand vom Durchschnitt (18 974 Euro je Einwohner) auf 21 Prozent und weniger zurückgegangen. Für Thüringen bedeutete dies eine Verdopplung des verfügbaren Einkommens im Betrachtungszeitraum von durchschnittlich 7 150 auf fast 15 300 Euro je Einwohner.

Attraktive Urlaubsziele an den Küsten und in den Bergen
Urlauber zieht es hauptsächlich an die Küsten und in die Berge. So verzeichnete Bayern im Jahr 2009 mit 26,4 Millionen absolut die meisten Gäste. Bezogen auf die Einwohnerzahl steht jedoch Mecklenburg-Vorpommern mit 4 175 Gästeankünften je 1 000 Einwohner bzw. 17 155 Übernachtungen je 1 000 Einwohner ganz vorn. Thüringen befindet sich mit 4 175 Übernachtungen je 1 000 Einwohner in guter Nachbarschaft von Baden-Württemberg (3 947), Brandenburg (4 076) und Hessen (4 443 Übernachtungen je 1 000 Einwohner).

Beim Betreuungsangebot für die Jüngsten liegen die neuen Bundesländer weit vorne
Im Bundesdurchschnitt wurde 2009 für jedes fünfte Kind unter drei Jahren die Betreuung in einer Kindertageseinrichtung oder in der öffentlich geförderten Kindertagespflege in Anspruch genommen. Weit über diesem Durchschnittswert lagen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Berlin und Sachsen mit Werten zwischen 40 und 55 Prozent. Für die 3- bis unter 6-Jährigen lag die Betreuungsquote 2009 bundesweit bei 92 Prozent. Rheinland-Pfalz wies in dieser Altersgruppe mit 96,2 Prozent die höchste Quote aus, dicht gefolgt von Thüringen (95,9 Prozent). Die niedrigsten Betreuungsquoten wurden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen ausgewiesen.

Wahlbeteiligung in allen Ländern rückläufig
An der Wahl zum 12. Deutschen Bundestag beteiligten sich 1990 von den mehr als 60 Millionen Wahlberechtigten im Durchschnitt in allen Ländern knapp 78 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern nutzten damals die wenigsten Wahlberechtigten ihr Stimmrecht (71 Prozent) und im Saarland die meisten (85 Prozent). Bei der Wahl zum 17. Bundestag im Jahr 2009 beteiligten sich deutschlandweit nur noch knapp 71 Prozent und damit so wenige wie noch nie bei einer Bundestagswahl. Die Spannweite lag zwischen 60,5 Prozent in Sachsen-Anhalt und 73,8 Prozent in Hessen. In Thüringen ging die Wahlbeteiligung in diesem Zeitraum von 76,4 auf 65,2 zurück.


Die PDF-Datei der Veröffentlichung „Von Bevölkerung bis Wahlen – 20 Jahre Deutsche Einheit in der Statistik“ steht im Internet unter www.statistikportal.de oder www.statistik.thueringen.de zum kostenfreien Download zur Verfügung.
Sie kann außerdem zum Preis von 5,00 Euro einschließlich Versandkosten beim Herausgeber Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Vertrieb der Veröffentlichungen, 56128 Bad Ems, Telefon: 02603 71-2450, Telefax: 02603 71-194322, E-Mail: vertrieb@statistik.rlp.de bestellt werden.

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