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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 03 Gesundheitszustand


 
Indikator (K)
03.011
 

Lebenserwartung ohne Behinderung in Thüringen (ausgewählte Zeiträume) nach Alter und Geschlecht

 

Definition

Das Konzept der Lebenserwartung bei guter Gesundheit soll den Aspekt der Lebensqualität (Gesundheit) in die Betrachtung der Lebenserwartung einbinden. Die Lebenserwartung ist eine Maßzahl, die modellhaft aus alters- und geschlechtsspezifischen Sterblichkeitsverhältnissen eine erwartete Lebensdauer - unabhängig vom Gesundheitszustand - ableitet (s. Kommentar zu Indikator 3.9). Durch eine steigende Lebenserwartung nimmt aber auch das Risiko der Erkrankung und Pflegebedürftigkeit im hohen Alter erkennbar zu.

Ausgangspunkt dieses Indikators ist die Frage, ob die höhere Lebenserwartung mit mehr gesunden Lebensjahren einhergeht oder ob die höhere Lebenserwartung durch eine Verlängerung des Zeitabstandes zwischen Erkrankungsbeginn und Sterbezeitpunkt erkauft wird.

Die Health Expectancy (Gesundheitserwartung) drückt im Gegensatz zur Lebenserwartung aus, wie viele Lebensjahre bei guter Gesundheit zu erwarten sind. Health Expectancy ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Indikatorenmodellen, die versuchen, die Lebenserwartung unter einem definierten Gesundheitszustand zu messen (OECD). Die einfachste Methode ist die Berechnung der Lebenserwartung ohne Behinderung (disability-free life expectancy, DFLE). Als geeignete Datengrundlage dienen in Deutschland Gesundheitssurveys (z. B. Eurobarometer), die Statistik der schwerbehinderten Menschen oder die Pflegestatistik (1).

Datenhalter

Thüringer Landesamt für Statistik

Datenquelle

• Statistik der schwerbehinderten Menschen

• Statistik der Sterbefälle

• Sterbetafeln

Periodizität

• Vollständige Sterbetafeln (im Anschluss an eine Volkszählung)

• Gekürzte Sterbetafeln (3-Jahreszeiträume bzw. unregelmäßig)

• Zweijährlich, 31.12.

Validität

Die Berechnungsmethode zur Bestimmung der Lebenserwartung bei guter Gesundheit folgt dem internationalen Netzwerk REVES (Réseau Espérance de vie en Santé) und entspricht bei Verwendung von Daten der Statistik der schwerbehinderten Menschen einer Disability-free life expectancy, bei Verwendung von Daten der Pflegestatistik einer pflegebedürftigkeitsfreien Lebenserwartung, bei Verwendung von speziellen Surveys oder des Eurobarometers einer nach REVES definierten Functional limitation-free life expectancy oder einer Activity restriction-free life expectancy. Die Ergebnisse hängen von der verwendeten Datenbasis und deren Vollständigkeit ab.

Kommentar

Die bisher vorliegenden Berechnungen zur Health Expectancy in Deutschland (2) basierten auf der Berechnung einer Disability-free life expectancy, die auf Angaben zur Funktionsbehinderung (functional disability) des Mikrozensus beruhten. Berechnungen mit Prävalenzraten der Statistik der schwerbehinderten Menschen führen zu Ergebnissen, die eine gute Übereinstimmung z.B. mit Berechnungen der WHO zur Health Expectancy liefern. Deshalb wird empfohlen, die Berechnung einer Disability-free life expectancy auf der Grundlage der Statistik der schwerbehinderten Menschen (ab Behinderungsgrad 50) anhand von modifizierten Sterbetafeln (Sullivan's Methode) vorzunehmen. Die Vollständigkeit dieser Statistik hängt davon ab, ob Behinderte einen Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderung stellen. Der Indikator könnte auf dieser Basis alle zwei Jahre von den Ländern berechnet werden, bis eine bessere Datenbasis zur Verfügung steht.

Ein Indikator pflegebedürftigkeitsfreie Lebenserwartung kann als Länderindikator zusätzlich geführt werden.

Im Weltgesundheitsbericht 1997 der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde die Bedeutung der Gesundheitserwartung im Gegensatz zur Lebenserwartung hervorgehoben. Eine Zunahme der Gesundheitserwartung ist nur dann möglich, wenn verstärkt präventive Bemühungen zur Minderung der vorzeitigen Mortalität und Morbidität unternommen werden (WHO 1998). Der Indikator zählt zu den Ergebnisindikatoren.

Vergleichbarkeit

Es gibt keinen vergleichbaren WHO-Indikator. Die OECD führt den Indikator Health expectancy als Disability-free life expectancy für Neugeborene und im Alter von 65 Jahren auf Länderebene. Der OECD-Indikator beruht auf Schätzungen der Disability-free life expectancy . Der Indikator wird seit den 70er Jahren in Mitgliedsländern der OECD nach einer empfohlenen Methodik auf der Basis von Sterbetafeln berechnet.

Für die EU-Länder ist ein Indikator Disability-free life Expectancy auf der Basis der Sullivan-Methode vorgesehen. Dieser Indikator der Lebenserwartung ohne Behinderung ist neu.

Originalquellen

(1) Bickel, H. (2001): Lebenserwartung und Pflegebedürftigkeit in Deutschland. Das Gesundheitswesen; 63, S. 9 - 14.

(2) Brückner, G. (1997): Health Expectancy in Germany. Presentation at the REVES 10 Meeting of the Network on Health Expectancy.

Dokumentationsstand

18.02.2003 nlga/lögd; Anpassung/Ergänzung 2010 - TLS