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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 03 Gesundheitszustand


 
Indikator (K)
03.067
 

Gemeldete Neuerkrankungen an bösartigen Neubildungen in Thüringen (im Zeitvergleich) nach Geschlecht

 

Definition

Die über die Zeit dargestellte altersstandardisierte Neuerkrankungsrate an bösartigen Neubildungen bildet eine wichtige Grundlage für die Beurteilung des Krankheitsgeschehens in der Bevölkerung. Die Interpretation zeitlicher Entwicklungen der Inzidenz kann zur frühzeitigen Aufdeckung neuer Krebsgefahren beitragen oder Effekte von Präventions- oder Früherkennungsprogrammen reflektieren. Kenntnisse über die Anzahl von Krebserkrankungen im zeitlichen Verlauf und daraus berechnete Überlebensraten geben wichtige Hinweise für die bedarfsgerechte Planung der medizinischen Versorgung. Der Indikator 3.67 weist die in den Krebsregistern der Länder gemeldeten Neuerkrankungen der Wohnbevölkerung an bösartigen Neubildungen (1990 und 1995 - ICD-9: 140 - 208, ohne 173 und ab 2000 - ICD-10: C00 - C97, ohne C44) für Frauen und Männer getrennt aus. Nichtmelanotische oder epitheliale Krebsarten der Haut (Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome) wurden aus methodischen Gründen ausgeschlossen. Alle Angaben erfolgen in absoluten Zahlen, als Rate je 100 000 Personen der Wohnbevölkerung und als altersstandardisierte Inzidenzrate.

Datenhalter

Gemeinsames Krebsregister (GKR) der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen

Datenquelle

Jahresstatistiken zur Krebsinzidenz

Periodizität

Jährlich, 31.12.

Validität

Um zuverlässige Rückschlüsse auf die Epidemiologie von bösartigen Neubildungen in der Bevölkerung zu erzielen, ist Vollzähligkeit bei der Krebsregistrierung anzustreben. Das bedeutet, dass möglichst alle Erkrankungen, die in der Bevölkerung auftreten, dem Register gemeldet werden. Da die Vollzähligkeit der Registrierung in den Ländern und bei den einzelnen Krebsarten variiert, sollte zur Bewertung der Angaben zur Inzidenz jeweils der Grad der Vollzähligkeit angegeben werden. Hierbei sollten die offiziellen Abschätzungen des Robert Koch-Instituts für das jeweilige Inzidenzjahr und der entsprechende so genannte DCO-Anteil wiedergegeben werden. Den DCO-Anteil in einem Register bilden die registrierten Erkrankungsfälle, über die allein aus Todesbescheinigungen Informationen vorliegen (Death Certificate Only). Während DCO-Fälle bei der Vollzähligkeitsabschätzung aus methodischen Gründen ausgeschlossen werden, finden sie bei der Inzidenzberechnung Berücksichtigung. Ein Erfassungsgrad von mindestens 90% sollte vorliegen, um valide Aussagen treffen zu können.

Die Vollzähligkeit des Krebsregisters für den Freistaat Thüringen für Krebs insgesamt für Männer und Frauen zusammen schwankt in den Jahren 1995 und 2008 zwischen 58% (1995) und 95% (2008) ohne DCO-Fälle bzw. zwischen 89% (1995) und 110% (2003) mit DCO-Fällen. Mit Registerstand vom September 2011 liegt der Erfassungsgrad von Krebs insgesamt für das Jahr 2008 aktuell bei 95 % ohne DCO-Fälle und bei 106 % mit DCO-Fällen. Für einzelne Lokalisationen und die einzelnen Geschlechter kann sich der Erfassungsgrad beträchtlich von den für Krebs insgesamt benannten Werten unterscheiden. Bei der Vollzähligkeitsschätzung mit DCO-Fällen ergeben sich Werte von über 100%, wenn die Summe aus DCO- und ärztlich gemeldeten Erkrankungsfällen eine Zahl ergibt, die über der vom RKI geschätzten Zahl der erwarteten Neuerkrankungen liegt.

Im Gegensatz zur Vollzähligkeit bezieht sich die Vollständigkeit eines Krebsregisters auf die Qualität der Daten. So sollten dem Register zu jedem gemeldeten Erkrankungsfall auch alle erforderlichen Informationen zu Patient und Erkrankung vorliegen.

Kommentar

In einigen Bundesländern ist die Krebsregistrierung nicht flächendeckend aufgebaut, so dass die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen nur mit Hilfe von Extrapolationsmodellen geschätzt werden kann. Der Indikator kann deshalb z. Z. für diese Länder nur eine Abschätzung über die Trendentwicklung von bösartigen Neubildungen liefern. In Thüringen ist eine flächendeckende Erfassung durch das GKR gegeben.

Der vorliegende Indikator ist ein Ergebnisindikator.

Vergleichbarkeit

Vergleichbar mit den WHO-Indikatoren 2320 991001 CANCER INCIDENCE PER 100 000 POPULATION, 2321 991051 NEW CASES OF CANCER, 2322 991051 NEW CASES OF CANCER, MALE, 2323 991051 NEW CASES OF CANCER, FEMALE, 2324 991001 CANCER INCIDENCE PER 100 000, MALE, 2325 991001 CANCER INCIDENCE PER 100 000, FEMALE.

Die vergleichbaren OECD- und EU-Indikatoren sind Krebsinzidenzraten, auf die OECD-Standard Total OECD-population bzw. Europapopulation (alt) normiert und geben die Anzahl der Krebsfälle pro 100 000 Einwohner an. Der vorliegende Indikator ist vergleichbar mit Angaben zur Krebsinzidenz des bisherigen Indikatorensatzes (Ind. 3.18).

Originalquellen

• Veröffentlichungen und statistische Jahresberichte des GKR.

• Standardtabellen oder weitere statistische Quellen.

Dokumentationsstand

06.02.2003, lögd/Epidemiologisches Krebsregister für den Regierungsbezirk Münster; Anpassung/Ergänzung 2008 - GKR Berlin; 2012 - Aktualisierung GKR Berlin