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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 03 Gesundheitszustand


 
Indikator (L)
03.071
 

Gemeldete Neuerkrankungen an bösartigen Neubildungen der weiblichen Brustdrüse in Thüringen (Jahr) nach Alter

 

Definition

Die Brustdrüse ist mit knapp 30 % die häufigste Lokalisation von bösartigen Neubildungen bei Frauen. Über 35 % aller Mammakarzinome werden bereits vor Ende des 60. Lebensjahres diagnostiziert. Wie in allen anderen Ländern der EU ist auch in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Neuerkrankungsrate zu beobachten.

Deshalb ist es wichtig, der Krebsart mit wirkungsvollen Früherkennungsmaßnahmen zu begegnen. Eine jährliche ärztliche Tastuntersuchung der Brust wird Frauen ab dem 30. Lebensjahr im Rahmen des gesetzlichen Programms zur Krebsfrüherkennung angeboten. Die Erweiterung durch regelmäßige radiologische Untersuchungen der Brust (Mammographie-Screening) für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahre soll die Früherkennung in dieser Altersgruppe verbessern. Nach Einführung des Screenings in Thüringen im Jahre 2007 ist ein entsprechender Anstieg der Neuerkrankungsrate zu verzeichnen. Der Indikator 3.71 weist die in den Krebsregistern der Länder geführte Anzahl und die altersspezifischen Inzidenzraten der Neuerkrankungen der weiblichen Bevölkerung an bösartigen Neubildungen der Brustdrüse (1995 - ICD-9: 174 und ab 2000 - ICD-10: C50) nach 5-Jahres-Altersgruppen für mehrere Jahre aus. Zusätzlich wird eine Altersstandardisierung an der Europabevölkerung (alt) vorgenommen.

Datenhalter

Gemeinsames Krebsregister (GKR) der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen

Datenquelle

Jahresstatistiken zur Krebsinzidenz

Periodizität

Jährlich, 31.12.

Validität

Um zuverlässige Rückschlüsse auf die Epidemiologie von bösartigen Neubildungen in der Bevölkerung zu erzielen, ist Vollzähligkeit bei der Krebsregistrierung anzustreben. Das bedeutet, dass möglichst alle Erkrankungen, die in der Bevölkerung auftreten, dem Register gemeldet werden. Da die Vollzähligkeit der Registrierung in den Ländern und bei den einzelnen Krebsarten variiert, sollte zur Bewertung der Angaben zur Inzidenz jeweils der Grad der Vollzähligkeit angegeben werden. Hierbei sollten die offiziellen Abschätzungen des Robert Koch-Instituts für das jeweilige Inzidenzjahr und der entsprechende so genannte DCO-Anteil wiedergegeben werden. Den DCO-Anteil in einem Register bilden die registrierten Erkrankungsfälle, über die allein aus Todesbescheinigungen Informationen vorliegen (Death Certificate Only). Während DCO-Fälle bei der Vollzähligkeitsabschätzung aus methodischen Gründen ausgeschlossen werden, finden sie bei der Inzidenzberechnung Berücksichtigung. Ein Erfassungsgrad von mindestens 90% sollte vorliegen, um valide Aussagen treffen zu können.

Die Vollzähligkeit des Krebsregisters für den Freistaat Thüringen für Brustkrebs bei Frauen schwankt in den Jahren 1995 bis 2008 zwischen 978% (1995) und 110% (2001) ohne DCO-Fälle bzw. zwischen 90 % (1995) und 113% (1999 und 2001) mit DCO-Fällen. Liegt die Vollzähligkeit ohne DCO-Fälle über 100%, so ist das darauf zurückzuführen, dass die tatsächlich aufgetretenen und gemeldeten Fälle, die Zahl der laut RKI-Schätzung zu erwartenden Fälle übertroffen hat. Bei der Vollzähligkeitsschätzung mit DCO-Fällen ergeben sich Werte von über 100%, wenn die Summe aus DCO- und ärztlich gemeldeten Erkrankungsfällen eine Zahl ergibt, die über der vom RKI geschätzten Zahl der erwarteten Neuerkrankungen liegt. Mit Registerstand vom September 2011 liegt der Erfassungsgrad von Brustkrebs für das Jahr 2008 aktuell bei 109 % ohne DCO-Fälle und bei 112 % mit DCO-Fällen.

Im Gegensatz zur Vollzähligkeit bezieht sich die Vollständigkeit eines Krebsregisters auf die Qualität der Daten. So sollten dem Register zu jedem gemeldeten Erkrankungsfall auch alle erforderlichen Informationen zu Patient und Erkrankung vorliegen.

Kommentar

In einigen Bundesländern ist die Krebsregistrierung nicht flächendeckend aufgebaut, so dass die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen nur mit Hilfe von Extrapolationsmodellen geschätzt werden kann. Der Indikator hat für diese Länder eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. In Thüringen ist eine flächendeckende Erfassung durch das GKR gegeben.

Der vorliegende Indikator ist ein Ergebnisindikator.

Vergleichbarkeit

Wegen der 5-Jahres-Altersstruktur ist der Indikator kaum vergleichbar mit dem WHO-Indikator 2351 105601 NEW CASES OF FEMALE BREAST CANCER, FEMALE POPULATION. Nicht vergleichbar mit OECD- und EU-Indikatoren, da die Krebsinzidenzraten zum weiblichen Brustkrebs keine Altersgruppenstruktur enthalten. Im bisherigen Indikatorensatz (Ind. 3.20) waren alters- und auf die weibliche Bevölkerung bezogene Angaben zur Brustkrebsinzidenz für die weibliche Bevölkerung ab 30 Jahre enthalten.

Originalquellen

• Veröffentlichungen und statistische Jahresberichte des GKR.

• Standardtabellen oder weitere statistische Quellen.

Dokumentationsstand

07.02.2003, lögd/Epidemiologisches Krebsregister für den Regierungsbezirk Münster; Anpassung/Ergänzung 2008 - GKR; 2012 - Aktualisierung GKR Berlin