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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 03 Gesundheitszustand


 
Indikator (L)
03.072
 

Gemeldete Neuerkrankungen an bösartigen Neubildungen der Prostata in Thüringen (Jahr) nach Alter

 

Definition

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist mit über 20 % inzwischen die häufigste Lokalisation bösartiger Neubildungen beim Mann und hat damit 1998 erstmals den Lungenkrebs als häufigsten Tumor der Männer abgelöst. Das Prostatakarzinom ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Das mittlere Erkrankungsalter liegt im Jahre 2008 aktuell bei 69 Jahren. Seit Ende der 80er Jahre ist in Deutschland ein steiler Anstieg der Neuerkrankungsraten zu beobachten, der weiter anhält. Ein großer Teil dieses Inzidenzanstiegs kann auf den zunehmenden Einsatz spezifischer diagnostischer Methoden, insbesondere des PSA-Bluttests in der Diagnostik zurückgeführt werden. Bei internationalen und zeitlichen Vergleichen muss der Einfluss unterschiedlicher diagnostischer Methoden auf die Erkrankungsrate berücksichtigt werden. Der Indikator 3.72 weist die in den etablierten Krebsregistern gemeldeten Neuerkrankungen der männlichen Bevölkerung an bösartigen Neubildungen der Prostata (1995 - ICD-9: 185 und ab 2000 - ICD-10: C61) nach 5-Jahres-Altersgruppen für mehrere Jahre aus. Zusätzlich wird eine Altersstandardisierung an der Europabevölkerung (alt) vorgenommen.

Datenhalter

Gemeinsames Krebsregister (GKR) der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen

Datenquelle

Jahresstatistiken zur Krebsinzidenz

Periodizität

Jährlich, 31.12.

Validität

Um zuverlässige Rückschlüsse auf die Epidemiologie von bösartigen Neubildungen in der Bevölkerung zu erzielen, ist Vollzähligkeit bei der Krebsregistrierung anzustreben. Das bedeutet, dass möglichst alle Erkrankungen, die in der Bevölkerung auftreten, dem Register gemeldet werden. Da die Vollzähligkeit der Registrierung in den Ländern und bei den einzelnen Krebsarten variiert, sollte zur Bewertung der Angaben zur Inzidenz jeweils der Grad der Vollzähligkeit angegeben werden. Hierbei sollten die offiziellen Abschätzungen des Robert Koch-Instituts für das jeweilige Inzidenzjahr und der entsprechende so genannte DCO-Anteil wiedergegeben werden. Den DCO-Anteil in einem Register bilden die registrierten Erkrankungsfälle, über die allein aus Todesbescheinigungen Informationen vorliegen (Death Certificate Only). Während DCO-Fälle bei der Vollzähligkeitsabschätzung aus methodischen Gründen ausgeschlossen werden, finden sie bei der Inzidenzberechnung Berücksichtigung. Ein Erfassungsgrad von mindestens 90% sollte vorliegen, um valide Aussagen treffen zu können.

Die Vollzähligkeit des Krebsregisters für den Freistaat Thüringen für Prostatakrebs schwankt in den Jahren 1995 bis 2008 zwischen 43 % (1995) und 98 % (2003) ohne DCO-Fälle bzw. zwischen 62 % (1995) und 113 % (2003) mit DCO-Fällen. Mit Registerstand vom September 2011 liegt der Erfassungsgrad von Prostatakrebs für das Jahr 2008 aktuell bei 88 % ohne DCO-Fälle und bei 94 % mit DCO-Fällen.

Im Gegensatz zur Vollzähligkeit bezieht sich die Vollständigkeit eines Krebsregisters auf die Qualität der Daten. So sollten dem Register zu jedem gemeldeten Erkrankungsfall auch alle erforderlichen Informationen zu Patient und Erkrankung vorliegen.

Kommentar

In einigen Bundesländern ist die Krebsregistrierung nicht flächendeckend aufgebaut, so dass die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen nur mit Hilfe von Extrapolationsmodellen geschätzt werden kann. Der Indikator hat für diese Länder eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. In Thüringen ist eine flächendeckende Erfassung durch das GKR gegeben.

Der vorliegende Indikator ist ein Ergebnisindikator.

Vergleichbarkeit

Es gibt keinen vergleichbaren WHO-Indikator zum Prostatakarzinom. Nicht vergleichbar mit OECD- bzw. EU-Indikatoren zum Prostatakarzinom, da die verwendeten Krebsinzidenzraten keine Altersgruppenstruktur enthalten. Im bisherigen Indikatorensatz gab es keinen altergruppenspezifischen Indikator zum Prostatakarzinom.

Originalquellen

• Veröffentlichungen und statistische Jahresberichte des GKR.

• Standardtabellen oder weitere statistische Quellen.

Dokumentationsstand

007.02.2003, lögd/Epidemiologisches Krebsregister für den Regierungsbezirk Münster; Anpassung/Ergänzung 2008 - GKR; 2012 - Aktualisierung GKR Berlin