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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 05 Gesundheitsrisiken aus der Umwelt


 
Indikator (B)
05.010
 

Dioxine in der Kuhmilch und in der Muttermilch in Deutschland (im Zeitvergleich)

 

Definition

Polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF), häufig vereinfachend Dioxine, auch Furane genannt, werden als unerwünschte und manchmal unvermeidbare Verunreinigungen im Spurenbereich bei einer Vielzahl industrieller und thermischer Prozesse gebildet und im Gegensatz zu anderen Chlororganika wie beispielsweise PCB, DDT oder PCP nie in technischem Maßstab hergestellt. Wichtige Primärquellen des PCDD/F-Eintrages in die Luft sind die Metallerzeugung und -verarbeitung (Anteil ca. 80 %), die Abfallverbrennung, die Industrie- und Gewerbefeuerungen und die Hausbrandfeuerstätten. Über die Immission werden die PCDD/F ubiquitär in der Umwelt verbreitet. Umweltpolitische Maßnahmen (z. B. Bundes-Immissionsschutzverordnung, Verbot chlor- bzw. bromhaltiger Zusatzstoffe zum Benzin, Herstellungsverbote für PCP und PCB) bewirkten in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang der PCDD/PCDF-Einträge in die Umwelt. Aus umweltmedizinischer Sicht ist die Anreicherung über die Nahrungskette, besonders in Milch, Fleisch, Eiern und Fischen sowie daraus hergestellten Produkten von größter Bedeutung (www.hygiene.ruhr-uni-bochum.de/hygiene/dioxin - Stand: 01.08.2002).

Eine systematische Beobachtung der weiteren Entwicklung ist trotz eines Rückgangs der Belastung von Frauenmilch (Muttermilch) seit Anfang der 80er Jahre geboten. Die bisherigen Erkenntnisse beruhen weitgehend auf Selbstrekrutierungen und erlauben somit keine systematische Einschätzung.

Die interne Belastung (Schadstoffkonzentration im menschlichen Körper) ergibt wichtige Hinweise auf mögliche Gesundheitsgefahren. Dioxine und verwandte Umweltschadstoffe können bei entsprechender Dosis bzw. Belastung zu Störungen des Immunsystems, des Endokrinums, der Fortpflanzung sowie zu Tumoren führen. Ihre routinemäßige Erfassung erlaubt die Beurteilung von Trends und kann Handlungsbedarfe aufdecken, bevor in größerem Maße gesundheitliche Wirkungen aufgetreten sein müssen. Die Verfolgung der Belastung von Frauenmilch mit persistenten Rückständen ist unter dem Aspekt der gesundheitlichen Vorsorge von besonderer Bedeutung. Frauenmilch ist die erste Nahrung für den neugeborenen Säugling. Darüber hinaus ist sie ein gut zugänglicher und geeigneter Bioindikator für die Belastung des Menschen mit fettlöslichen und persistenten Stoffen.

In Zusammenarbeit mit den Ländern wird am Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine Frauenmilch- und Dioxin-Humandatenbank aufgebaut, in der die Untersuchungsergebnisse der Länder zusammenfassend dokumentiert und ausgewertet werden. Das zurzeit in Frauenmilch analysierte und in der Datenbank erfasste Substanzspektrum umfasst die Organochlorpestizide, PCB, Dioxine und seit 1992 die synthetischen Moschusverbindungen.

Datenhalter

• Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

• Umweltbundesamt

Datenquelle

• Dioxin-Datenbank des Bundes und der Länder des Umweltbundesamtes

• Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Periodizität

Jährlich

Validität

Aufgrund von Selbstrekrutierung und unterschiedlicher Analyseverfahren kann nicht von repräsentativen Ergebnissen ausgegangen werden. Die Ergebnisse sollten daher mit entsprechender Vorsicht interpretiert werden.

Kommentar

Der Indikator zählt zur Gruppe der Gesundheitsdeterminanten.

Vergleichbarkeit

Es gibt keine vergleichbaren WHO-, OECD- und EU-Indikatoren. Mit dem bisherigen Indikator 5.16 identisch, der jedoch fakultativ von den Ländern geführt werden konnte.

Originalquellen

• Publikationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Dokumentationsstand

31.07.2002, lögd/BUG Hamburg; Anpassung/Ergänzung 2010 - TLS