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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 05 Gesundheitsrisiken aus der Umwelt


 
Indikator (B)
05.011
 

PCB in der Kuhmilch und in der Muttermilch in Deutschland (Jahr)

 

Definition

Seit den vierziger Jahren wurden Polychlorierte Biphenyle (PCB) in Deutschland eingesetzt. Die Verwendung von PCB in offenen Systemen wurde 1978 verboten. Vorher wurden PCB vielfältig eingesetzt, beispielsweise als Weichmacher für Lacke, Harze und Kunststoffe, als Imprägnier- und Flammschutzmittel für Papier, Stoffe, Holz und Leder sowie als Zusatz zu Insektiziden zur Verlängerung der Wirkdauer. Nur in geschlossenen Systemen, zum Beispiel als Kühl- und Isolierflüssigkeit innerhalb von Transformatoren und Gleichrichtern, Hydraulikflüssigkeit und als Zusatzdielektrikum für Starkstromkondensatoren, wurden PCB weiterhin verwendet. Seit 1977 werden in den USA und seit 1983 in Deutschland keine PCB mehr hergestellt. Etwa die Hälfte der in Deutschland hergestellten Menge von circa 0,15 Millionen Tonnen war 1996 noch in Verwendung (1). Bis heute bestehende Emissionsquellen sind bestimmte industrielle Anlagen, der Kraftfahrzeugverkehr, aber auch Ausgasung aus mit PCB kontaminierten Seen und Fließgewässern (2).

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind ubiquitär verbreitet und haben Eingang in die Nahrungskette gefunden. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch PCB und verwandte Umweltschadstoffe können bei entsprechender Dosis bzw. Belastung zu Störungen des Immunsystems, des Endokrinums, der Fortpflanzung sowie zu Tumoren führen. Die interne Belastung (Schadstoffkonzentration im menschlichen Körper) ergibt wichtige Hinweise auf mögliche Gesundheitsgefahren. Ihre routinemäßige Erfassung erlaubt die Beurteilung von Trends und kann Handlungsbedarfe aufdecken, bevor in größerem Maße gesundheitliche Wirkungen aufgetreten sein müssen. Die Verfolgung der Belastung von Frauenmilch mit persistenten Rückständen ist unter dem Aspekt der gesundheitlichen Vorsorge von besonderer Bedeutung. Frauenmilch ist die erste Nahrung für den neugeborenen Säugling. Darüber hinaus ist sie ein gut zugänglicher und geeigneter Bioindikator für die Belastung des Menschen mit fettlöslichen und persistenten Stoffen.

In Zusammenarbeit mit den Ländern wurde beim Umweltbundesamt (UBA) eine Dioxin-Datenbank aufgebaut, in der die Untersuchungsergebnisse der Länder zusammenfassend dokumentiert und ausgewertet werden. Das zurzeit analysierte und in der Datenbank erfasste Substanzspektrum umfasst die Organochlorpestizide, PCB, Dioxine und seit 1992 die synthetischen Moschusverbindungen.

Untersuchungsergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung und aus bundesweit koordinierten Überwachungsprogrammen zu Kontaminationen von Lebensmitteln werden in einer Datenbank beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gespeichert. Jährlich gehen hier über 3 Millionen Untersuchungsergebnisse u. a. zu Pflanzenschutzmittelrückständen, Organochlorpestiziden, PCB, Mykotoxinen und Schwermetallen ein. Die Auswertungen zu PCB in Kuhmilch basieren auf den Daten dieser Datenbank.

Datenhalter

• Umweltbundesamt

• Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Datenquelle

• Dioxin-Datenbank des Bundes und der Länder des Umweltbundesamtes

• Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Periodizität

Jährlich

Validität

Aufgrund von Selbstrekrutierung und unterschiedlicher Analyseverfahren kann nicht von repräsentativen Ergebnissen ausgegangen werden. Die Ergebnisse sollten daher mit entsprechender Vorsicht interpretiert werden.

Daten zu Frauenmilch wurden in den Jahren 2003, 2004 und 2006 bis 2008 nicht erhoben. Die Messergebnisse zu PCB stellen eine valide Grundlage für den Indikator dar.

Kommentar

Das Gesamt-PCB wird mit folgender Formel bestimmt: 1,64*(PCB 138 + PCB 153 + PCB 180).

Der Indikator wird als Bundesindikator geführt.

Folgende wesentliche Grundlagen wurden für die Auswahl und Interpretation des Indikators zu Grunde gelegt:

(1) Delschen, T., Hembrock-Heger, A., Necker, U. (1996): Systematische Untersuchungen zum Verhalten von PAK und PCB im System/Boden/Pflanze auf der Lysimeteranlage Waldfeucht (1989 - 1994). In: Landesumweltamt NRW (Hrsg.): Lysimeterversuche zum Verhalten persistenter organischer Schadstoffe im System Boden/Pflanze (Materialien zur Ermittlung und Sanierung von Altlasten; Bd. 13).

(2) www.uvm.baden-wuerttemberg.de/alfaweb/berichte - Stand: 01.08.2002.

Der Indikator zählt zur Gruppe der Gesundheitsdeterminanten.

Vergleichbarkeit

Keine Vergleichbarkeit mit Indikatoren der WHO, OECD und der EU. PCB in der Muttermilch war im bisherigen Indikator 5.16 fakultativ erfasst worden.

Originalquellen

• Umweltbundesamt - Auswertungen aus der Dioxin-Datenbank des Bundes und der Länder des Umweltbundesamtes 2002 ff.

• Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) - Auswertungen aus der Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 2002 ff..

Dokumentationsstand

20.05.2005, lögd/Behörde für Umwelt und Gesundheit, Hamburg/Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; Anpassung/Ergänzung 2010 - TLS