Thüringer Landesamt für Statistik
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Daten zur Gesundheitsberichterstattung - Thüringen
Basisindikatorensatz für eine kommunale integrierte Gesundheitsberichtserstattung in Thüringen
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Themenfeld 10 Ausgaben und Finanzierung


 
Indikator (B)
10.023
 

Entwicklung der Beitragssätze und der beitragspflichtigen Einnahmen in der GKV insgesamt und in aus-gewählten Krankenversicherungen, Deutschland (früheres Bundesgebiet, neue Länder) (im Zeitvergleich)

 

Definition

Die Mittel der Sozialversicherung, d. h. auch der gesetzlichen Krankenversicherung, werden nach Maßgabe der besonderen Vorschriften für die einzelnen Versicherungszweige durch Beiträge der Versicherten, der Arbeitgeber und Dritter, durch staatliche Zuschüsse und durch sonstige Einnahmen erbracht (SGB IV, § 20). Die gesetzliche Krankenversicherung ist eine Solidargemeinschaft, bei der jeder Versicherte entsprechend seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zur Finanzierung der Krankenversicherung beiträgt. Die Krankenkassen müssen dafür sorgen, dass sich Einnahmen und Ausgaben ausgleichen. Die Beiträge der Krankenkassen sind so zu bemessen, dass sie zusammen mit den sonstigen Einnahmen die im Haushaltsplan vorgesehenen Ausgaben decken. Deshalb werden Beitragssätze festgelegt, die den zu zahlenden Krankenversicherungsbeitrag vom Bruttoeinkommen des Versicherten festlegen. Grundlage der Beitragszahlungen an die gesetzlichen Krankenkassen ist das Bruttoarbeitsentgelt bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die jährlich der allgemeinen Einkommensentwicklung angepasst wird. Die Beitragsbemessungsgrenze ist gleichzeitig Pflichtversicherungsgrenze, d. h., dass Mitglieder mit einem höheren Bruttoverdienst zwischen der freiwilligen Weiterversicherung in der GKV und einer privaten Krankenversicherung wählen können.

Für Kassenmitglieder ohne Arbeitsentgelt (Studenten, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Rehabilitanden) wird die Bemessungsgrenze durch den Gesetzgeber festgelegt. Zu den beitragspflichtigen Einnahmen zählen Zahlbe-träge der Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung und vergleichbare Einnahmen (Versorgungsbezüge) sowie das Arbeitseinkommen. Dem Arbeitsentgelt steht das Vorruhestandsgeld gleich. Die Beitragsfestsetzung einer versicherten Person wird als prozentualer Anteil vom Bruttoeinkommen ausgewiesen. In der Regel tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Krankenkassenbeitrag je zur Hälfte.

Für geringfügig Beschäftigte, deren Arbeitsentgelt insgesamt regelmäßig 400 € im Monat nicht übersteigt, zahlt der Arbeitgeber Pauschalbeiträge zur Sozialversicherung und Steuer. An die gesetzliche Krankenversicherung müssen 11 % des Arbeitsentgelts abgeführt werden, der Pauschalbeitragssatz zur Rentenversicherung beträgt 12 %. Mit Wirkung ab 1. Juli 2006 erhöhen sich die Pauschalbeiträge von bisher 25 auf 30 %. Der vom Arbeit-geber zu zahlende Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung wird auf 13 % und der zur Rentenversicherung auf 15 % angehoben. Der einheitliche Pauschalsteuersatz von 2 % bleibt unverändert.

Datenhalter

Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Datenquelle

•  KJ 1-Statisik: Rechnungsergebnisse (Ausgaben und Einnahmen)

•  KM 1-Statistik: Monatsstatistik der GKV über Mitglieder u. Kranke

Periodizität

Jährlich, 31.12.

Validität

Die Beitragssätze der Krankenkassen werden aufgrund der Ausgabenentwicklung beantragt und vom zuständigen Ministerium bestätigt. Die beitragspflichtigen Einnahmen unterliegen Wirtschaftsprüfungen. Die Daten gelten als valide.

Kommentar

Die Beiträge werden unabhängig vom Versicherungsrisiko und der Zahl der mitversicherten Familienangehörigen nach dem Einkommen des Versicherten erhoben. Dieser Grundsatz bewahrt Versicherte, die wegen ihres gesundheitlichen Risikos oder ihrer Familiensituation hohe Leistungen in Anspruch nehmen müssen, davor, dass sie höhere Beiträge zu zahlen haben als Versicherte mit gleichen Einkünften und geringerem Versicherungsrisiko. Anders als in der privaten Krankenversicherung spielen deshalb die individuellen Krankheitsrisiken, das Geschlecht und die Zahl der mitversicherten Familienangehörigen für die Höhe des individuellen Beitrags keine Rolle. Durch die Unterschiede in den Beitragseinnahmen der verschiedenen Krankenkassen, die aufgrund unter-schiedlicher Durchschnittseinkommen und einer unterschiedlichen Risikostruktur ihrer Versicherten entstehen, kommt es zu Beitragssatzunterschieden zwischen den verschiedenen Kassen. Mit dem 1994 eingeführten Risi-kostrukturausgleich (SGB V § 266) sollen die finanziellen Auswirkungen von Unterschieden in der Höhe der beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder, der Zahl der nach SGB V § 10 versicherten Familienangehörigen und der Verteilung der Versicherten auf nach Alter und Geschlecht getrennte Versichertengruppen (SGB V § 267 Abs. 2) zwischen den Krankenkassen ausgeglichen werden und damit die Beitragssatzverzerrungen abgebaut werden. Durch das Gesetz zur Anpassung der Finanzierung von Zahnersatz vom 15. Dezember 2004 ab dem 1. Juli 2005 der Allgemeine Beitragssatz nach § 241 SGB V um 0,9 %- Punkte reduziert und in gleicher Höhe der Zusätzliche Beitragssatz nach § 241a SGB V neu eingeführt.

Ab 2008 werden die Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr getrennt nach alten und neuen Bundesländern ausgewiesen.

Der Indikator ist ein Prozessindikator.

Vergleichbarkeit

Es gibt keine vergleichbaren WHO- und OECD-Indikatoren. Der Indikator ist nur bedingt vergleichbar mit dem bisherigen Indikator 10.10, der die Beitragssatzentwicklung für AOK, BKK, IKK in NRW sowie für die GKV insgesamt in Deutschland auswies. Die Angaben für Thüringen sind in den neuen Ländern enthalten.

Originalquellen

Bundesministerium für Gesundheit

Dokumentationsstand

24.02.2003 lögd/StBA/Rheinland-Pfalz/BASYS; Aktualisierung 2017 – TLS